Fahrmotor der Bauart GB 190/20e von SSW (Siemens
Schuckert)
Während beim ETA 176 (BR 517) Versuche mit verschiedenen Motortypen
durchgeführt worden sind, und entsprechende Ergebnisse vorlagen, konnte man beim ETA 515
von Anfang an der Fahrmotor eingebaut werden, der für Akkutriebwagen (hier besonders zur
Ausnutzung einer hohen Feldschwächung) am besten geeignet erschien. Es handelte sich
hierbei um jeweils zwei vierpolige, eigenbelüftete Reihenschlussmotoren der Bauart GB
190/20e von SSW, die über eine Stundenleistung von 100 kW verfügten. Die
Kraftübertragung erfolgte auch hier über den bewährten Tatzlagerantrieb.
Der Tatzlagerantrieb war bewährt und
preisgünstig und fand in Deutschland schon längere Zeit in elektrischen Lokomotiven und
Triebwagen Verwendung. Er geht in seiner genialen Einfachheit auf die ersten
Straßenbahnen zurück und stammt vom amerikanischen Straßenbahn-Pionier und Erfinder
Sprague.
Der Tatzlagerantrieb ist ein halbgefederter Zahnradantrieb, bei dem
der Motor auf einer Seite gefedert am Drehgestellrahmen aufgehängt ist und auf der
anderen Seite mit seinem angeschraubten Tatzlagerarm und dessen Lagern die Treibradwelle
fest umfasst. Das Gewicht des Motors stützt sich daher zur Hälfte aufgefedert auf den
Drehgestellrahmen und zur anderen Hälfte ungefedert auf der Treibradwelle ab. Das fest
mit dem angetriebenen Radsatz verbundene Großzahnrad wird also vom Kleinzahnrad des
Motors (Ritzel) angetrieben.
Elektromotoren
in Triebwagen mit beschränkt kleinem Gehäusedurchmesser von höchstens 1000mm weisen aus
elektromechanischen Gründen Höchstdrehzahlen von 1500-3600 U/min auf, was bei 1m
Raddurchmesser eine Fahrzeuggeschwindigkeit von bis zu 680 km/h bedeuten würde, war es
notwendig ein Getriebe ins Langsame zwischen Motorwelle und Triebradwelle zu schalten,
dessen Kleinrad (Ritzel) auf der Motorwelle sitzt. Da der Motor fest auf der Triebradwelle
sitzt und somit kein Spiel zwischen Motorgehäuse und Radsatzwelle ist, war immer ein
konstanter Abstand und eine sicherer Zahneingriff zwischen Ritzel und Großzahnrad
gewährleistet. Hierdurch schaffte man es, die Höchstgeschwindigkeit auf ca. 150 km/h zu
beschränken.
Die Motoren im ETA hatten keine Fremdbelüftung. Für die Kühlung
sorgte ein am Läufer des Fahrmotors angebrachtes Lüfterrad. Die Stärke der Kühlung
hing somit unmittelbar von der Drehzahl des Motors ab. Durch den Einsatz von speziellen
Hauben uns Schutzgittern verhinderte man den Eintritt von Staub und Wasser. Das Lüfterrad
saugte die erforderliche Kühlluft durch Schlitze in den Wagenseiten und Faltenbälge an.
Diese Eigenbelüftung war gewählt worden, um die elektrische Ausrüstung so einfach wie
möglich zu halten.

Der Tatzlagerantrieb am ETA in einer graphischen
Draufsicht

Der Tatzlagerantrieb am ETA seitlich gesehen